[Bild: Maya Schweizer]

Maya Schweizer


Intervention_08


02. Oktober 2021

Am Rande des Treptower Parks
- Auf der Rückseit der Postkarte


Video und Ton Installation

17:00 Uhr
52°29'04.3"N 13°29'17.3"E
52.484540, 13.488130

Plänterwald/Spreepark
Wasserweg
12437 Berlin

- vom Dammwegkommend,
links auf Wasserweg,
bis Ende der Straße -

Auf der Rückseite der Postkarte


(Au dos de la carte postale)


Video, 16min, 2010

In dem Video beobachtet die Kamera, wie auf dem Platz unterhalb des Eiffelturms ein Straßenhändler seine Waren für die Touristen aufbaut. In einer Textprojektion, die parallel dazu läuft, wird die Situation aus der Perspektive von Polizisten beschrieben, die die Straßenhändler immer wieder vom Platz zu vertreiben versuchen. Der zweite Teil des Videos thematisiert die Geschichte des Pariser Wahrzeichens. Auf der Weltausstellung von 1889, für die der Eiffelturm errichtet wurde, baute man u.a. auch eine Straßensituation aus Kairo und ein afrikanisches Dorf nach. Die Videoinstallation verbindet Alltagszenen aus dem heutigen Paris mit einer Reflexion der Geschichte des „Menschen-Zoos“. Ein Teil des Filmtextes basiert auf dem Buch Colonising Egypt von Timothy Mitchell sowie der Dokumentation MenschenZoos von Eric Deroo.


kontext


Deutsche Kolonial-Ausstellung Treptower Park



Im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung von 1896 im Treptower Park fand die Erste Deutsche Kolonialausstellung als eigenständiger Teil statt. Deren Bedeutung reicht weit über die Bezirksgeschichte von Treptow-Köpenick hinaus. Mit ihrer aufwendigen Inszenierung des deutschen Kolonialstaates ist sie ein zentrales Ereignis für Berlin und von herausragender Bedeutung für die Geschichte seiner Schwarzen Community.
Im Mittelpunkt der Kolonialausstellung von 1896 standen 106 aus den deutschen Kolonien angeworbene Kinder, Frauen und Männer. Einen Sommer lang wurden sie vom Publikum in Berlin angeschaut, genauer gesagt, sie wurden ‘begafft’. Doch sie schauten nicht nur aufmerksam zurück, nein, sie wehrten sich gemeinsam gegen die ihnen zugewiesene Rolle als ‘Anschauungsobjekte’.
Quelle: Museum Treptow-Köpenik

Biografie


lebt und arbeitet in Berlin

Maya Schweizer, geboren in Paris, studierte Kunst und Kunstgeschichte in Aixen-Provence, an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und an der Universität der Künste Berlin, wo sie 2007 ihr Meisterschülerinnenstudium bei Lothar Baumgarten abschloss. Schweizer arbeitet mit unterschiedlichen Medien, richtet dabei ihren Fokus insbesondere auf Kurzfilme.
Sie hatte zahlreiche Einzelausstellungen (u.a. Westfälischer Kunstverein Münster (2010), Frankfurter Kunstverein (2011), Kunsthalle Baden-Baden( 2014), Irish Museum of Modern Art, Dublin (2016), Kunstverein Leipzig (2018), Museum Villa Stuck, München, 2020) und zeigte ihre Arbeiten in Gruppenausstellungen und bei Biennalen (u.a. Berlin Biennale, (2006), Centre Georges Pompidou (2007), The Elizabeth Foundation for the Arts, New York, (2013), Kunsthaus Dresden (2016), Anren Biennale, China (2017), La Stagione, al Spaziosiena, Sienna (2019), NBK Der Neue Berliner Kunstverein de Berlin (2020), Manifesta, Marseille (2020).

Ihre Videos wurden bereits für zahlreiche Festivals und Veranstaltungen ausgewählt, darunter die 67. Berlinale /Forum Expanded (2017), das Vancouver International Film Festival (2017,2019, 2020) und die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (2006, 2016, 2019, 2020). In 2019 wurde ihr Film mit dem e-flux-Preis ausgezeichnet. Ihr neuester Film ist auf dem Kurzfilmtage Oberhausen, im deutschen Wettbewerb und auf der 71. Berlinale / Forum Expanded (2021) und zu sehen sein.
Neben mehreren Stipendien, Projektförderungen und Residenzen erhielt sie ein Stipendium der Villa Aurora, Los Angeles, (2008), eine Residenz bei 3bis F, lieu d'arts contemporains, Aix-en-Provence (2010), eine Filmförderung des Goethe-Instituts, Neapel, (2015-2016), ein Katalogstipendium 2015, Kulturstiftung Sachsen, Dresden (2015), eine Residenz am Askeaton Contemporary Arts, Askeaton, Irland (2017), eine Residenz am Goethe-Institut, Fondazione-Morra-Museo Nitsch, Neapel, (2016) ein Katalogstipendium, Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Dresden (2018) ein Forschungsstipendium, Senat von Berlin, (2017), ein Arbeitsstipendium des Senats von Berlin (2019), und das Film/Video Künstlerinnenprogramm vom Senat Berlin in 2021.

Bis heute sind vier Monographien über ihr Werk erschienen: Stimmen, (Walther und Franz König, Köln 2020), Where Ivy Cracks The Wall (Naima, Paris / Berlin 2019), Places of Memory and Desire (Archive Books, Berlin 2015), The Same Story Elsewhere / Die selbe Geschichte an einem anderen Ort - Maya Schweizer (Spector Books, Leipzig 2010).